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| | Editorial
Was unterscheidet den Jahrhundertwende-Wunsch, Gestaltung an Formen der Natur
auszurichten von der heutigen Faszination an Neo-Biologie, Haifischhaut und autonomen
Systemen?
Um 1900 erschien Natur als ein Reservoir ideal funktionierender Formen, entstanden in
einem jahrmillionenlangen Entwicklungsproze§. Heute, um 2000, ist nicht das Ergebnis,
sondern sind die Prinzipien interessant, die zur …kologie gefŸhrt haben, die die Formen fit
gemacht haben, fŸr ein effektives und angepa§tes Dasein. Um 1900 haben Gestalter und
Architek- ten in Zeichnung, Foto und Experiment Natur rekonstruiert, um einer industriellen
…konomie Gestalt zu geben. Heute lassen Programmierer in symbolverarbeitenden
Maschinen genetische Algorithmen marschieren, um Formen zu erzeugen, fŸr die es kein
Vorbild gibt, obwohl sie Reproduktionsmustern lebender Systeme folgen. Auch hierbei geht
es um die Durchsetzung einer neuen …konomie. Um 1900 erreichte Gestaltung mit dem
NachŠffen der Natur ein rationales Bewu§tsein. Um 2000 geben Eliten aus Wissenschaft
und …konomie die Idee von Planung und Kontrolle auf, weil sie sich Problemen gegenŸber
sehen, deren KomplexitŠt ihre Menschenhirne nicht mehr zu fassen vermšgen. Maschinen
sollen es richten, die von Programmen gesteuert werden, die von Programmen
geschrieben wurden, die von anderen Programmen gezeugt, trainiert und perfektioniert
worden sind.
Glaubte man um 1900 aller Probleme durch geniale Planung und †bersicht Herr
werden zu kšnnen, erscheinen gegenwŠrtige Probleme nur in cybernetischen Modellen
emulierbar, die auf schnell getakteten Plattformen der Echtzeit konkurrieren. Die Formen
und Muster, die dabei entstehen, entstammen nicht dem Menschenleib, sondern dem Code
co-evoluierender Software. Welche Zukunft hat, wenn das Konzept von Planung
maschineller Rechnung zum Opfer fŠllt, die Formgestaltung?
Jšrg Petruschat
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