form+zweck 2+3
Noch einmal: Ökologie. Noch einmal: Recycling.
Noch einmal: DDR


editorial

Gui Bonsiepe
Peripherie und Zentrum

Gui Bonsiepe
Grafische Gestaltung von interfaces

Beate-Mechthild Schulz
Müll. Zur Geschichte eines Problems.
Die Sammlung und Verwertung städtischer Abfallstoffe in Deutschland von 1850-1945 (Teil I)


Irmgard Schultz
Ich habe Müll gemischt.
Sind Frauen zu faul, ihren Hausmüll zu sortieren?


Heiko Schiller
Badeanstalten.
Von der Einzäunung eines wilden Vergnügens zu geordneter Massenerholung. Was die Disziplinierung mit ökologischer Schädigung zu tun hat


Heiko Schiller
Zurück aufs Wasser

Sabine Teutloff
Das elektrische Bügeleisen.
Zwischen Modeform und Leistungsstandard


Gerhard Cordes
Man muß faul sein können

Reinhard Kranz
Design, das ist Machen.
Wie man es macht, im Osten Designer zu bleiben.


Bodo Hacke
Lückenfüller. Designförderung in den neuen Bundesländern.
Fragen an einen Mitverantwortlichen.


Silke Rothkirch
Die letzten hundert Tage der Kaufhalle.
Die sinkenden Schlachtschiffe der sozialistischen Verkaufskultur


Simone Hain
Mart Stamt in der DDR.
1948-1952 »...spezifisch, reformistisch, bauhausartig ...« (Teil I)


Rita Sänze
Ein kurzer Moment der Irritation.
Nazikitsch


Antje Kraemer
Ein kurzer Moment der Irritation.
Für Dich - »Wende« einer Frauenzeitschrift


Jens Betcke
Ein kurzer Moment der Irritation.
Kitsch und Spiel


Holger Brohm
Ein kurzer Moment der Irritation.
Schöne bunte Welt - die exotischen Bilder der Ferne


Ulrike Langbein
Ein kurzer Moment der Irritation. Poesiealben

Manuela Belschner
Biobuch-Lernen mit Computer


Natascha Wenger
Biobuch-Lernen mit Computer

Marion Maier
Ich liebe Berlin nicht.
Plakate zu Tucholsky-Texten


Silke Rothkirch
Plaste. Einzug der Kunststoffe in den Alltag

Marcus Keichel | Jans-Ole Kracht
Wohnturm.
Was Designstudenten zu einem Postmodernen Entwurf im sozialen Wohnungsbau einfällt


Ulrike Küster
Britzer Brücken.
Leben über dem Verkehr - wo sind die Grenzen der Verdichtung?


Martin Sacher
Britzer Brücken. Leben über dem Verkehr - wo sind die Grenzen der Verdichtung?

Ariane Benhidjeb
Das Geheimis der Welt ist das Sichtbare

Günter Höhne
Die letzten hundert Tages des AIF.
Eine Farce. Aus der Sicht eines Beteiligten


Tomás Maldonado
Umwelt und Revolte.
Die Zeit des Blindflugs ist vorbei






Editorial


Noch einmal: Ökologie. Noch einmal: Recycling. Noch einmal: Exitus DDR.
Ein »Noch-einmal-Heft« - muß das sein?
Es muß. Mißtrauisch allen Lösungen gegenüber haben wir in zwei Richtungen gesucht: Was sagen die »Alten«, jene »Modernen«, die mit dem Pathos der sozialen Verantwortung groß gewordenen sind, zu den heutigen Weltlagen. Und: Wie gehen die »Jungen« mit sozialen und ökologischen Problemen um? Auf den ersten Blick hat die »Ökologie« ihre Faszination verloren: der immer wieder in allen Medien hochgekochte Brei "ökologischer Bedrohungen" hat die Wahrnehmung stumpf gemacht, das Aufsaugen des Themas durch etablierte Parteien und Unternehmen paralysiert kritisches Denken und Entwerfen: wie schön ist es, endlich wieder affirmativ mit allem sein zu können. Nicht lange, und der »Jäger 90« erhält den Grünen Punkt - Designer habens möglich gemacht. Wem aber die Wiederaufbereitung strategisch gesetzten Schrotts aus Pazifismus nicht schmeckt, der kann ja filterfrei kiffen - was übrig bleibt, ist naturreines anonymes Design.
Bei einem solchen Stand der Dinge blenden die meisten ab und aus. Wie einfach doch war es vor dreißig, wie simpel noch vor siebzig Jahren. Da war die »gute« Form gefragt, da gab es noch die Bedürftigen, da war man als Designer noch wer, da duellierte man sich noch mit den »bösen« Dingen, da wußte man noch, was »Kitsch« ist.
Der Designer heute ist - so scheint’s - eine Erfindung der Medien und er braucht die Medien, um Designer zu bleiben, um wenigstens den Anschein seines Berufes zu wahren. Deshalb auch ist er, und was er tut, so schön kreativ. In der Wirklichkeit gibt es ihn nicht mehr, die ist vollgestapelt, vollgezweckt mit ausgeformten Dingen - in jedem Raumsegment fein aufeinander abstimmbare Lebens- und Unterhaltungsgestelle. Heute steckt der Gestalter wie jeder andere Konsument im Strudel der Dingwelten, festgekrallt an einem Rettungsring, auf dem in wohlproportioniertem Schwarz-Weiß-Rot die Atelier-Adresse prangt.
Galt für die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts das Auto-Mobil und die Auto-Bahn als Wunschbild gesellschaftlichen Reichtums, so ist es heute eine Synthese aus Walk-Man und Joy-Stick. Das Ziel heißt nicht mehr, überall hinzukommen, sondern aus der gezwungenen Unbeweglichkeit das Beste zu machen. Rumsitzen mit Spaß. Angedeutet hat sich das alles ja schon lange: in den Fußballstadien, im Bundestag, vorm Fernseher.

Jörg Petruschat