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Editorial
Noch einmal: Ökologie. Noch einmal: Recycling. Noch einmal: Exitus DDR.
Ein »Noch-einmal-Heft« - muß das sein?
Es muß. Mißtrauisch allen Lösungen gegenüber haben wir in zwei
Richtungen gesucht: Was sagen die »Alten«, jene »Modernen«,
die mit dem Pathos der sozialen Verantwortung groß gewordenen sind, zu den
heutigen Weltlagen. Und: Wie gehen die »Jungen« mit sozialen und
ökologischen Problemen um? Auf den ersten Blick hat die
»Ökologie« ihre Faszination verloren: der immer wieder in allen Medien
hochgekochte Brei "ökologischer Bedrohungen" hat die Wahrnehmung
stumpf gemacht, das Aufsaugen des Themas durch etablierte Parteien und Unternehmen
paralysiert kritisches Denken und Entwerfen: wie schön ist es, endlich wieder
affirmativ mit allem sein zu können. Nicht lange, und der »Jäger
90« erhält den Grünen Punkt - Designer habens möglich gemacht.
Wem aber die Wiederaufbereitung strategisch gesetzten Schrotts aus Pazifismus nicht
schmeckt, der kann ja filterfrei kiffen - was übrig bleibt, ist naturreines anonymes
Design.
Bei einem solchen Stand der Dinge blenden die meisten ab und aus. Wie einfach doch
war es vor dreißig, wie simpel noch vor siebzig Jahren. Da war die »gute«
Form gefragt, da gab es noch die Bedürftigen, da war man als Designer noch wer, da
duellierte man sich noch mit den »bösen« Dingen, da wußte man
noch, was »Kitsch« ist.
Der Designer heute ist - so scheint’s - eine Erfindung der Medien und er braucht
die Medien, um Designer zu bleiben, um wenigstens den Anschein seines Berufes zu
wahren. Deshalb auch ist er, und was er tut, so schön kreativ. In der Wirklichkeit gibt
es ihn nicht mehr, die ist vollgestapelt, vollgezweckt mit ausgeformten Dingen - in jedem
Raumsegment fein aufeinander abstimmbare Lebens- und Unterhaltungsgestelle. Heute
steckt der Gestalter wie jeder andere Konsument im Strudel der Dingwelten, festgekrallt an
einem Rettungsring, auf dem in wohlproportioniertem Schwarz-Weiß-Rot die
Atelier-Adresse prangt.
Galt für die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts das Auto-Mobil und die
Auto-Bahn als Wunschbild gesellschaftlichen Reichtums, so ist es heute eine Synthese aus
Walk-Man und Joy-Stick. Das Ziel heißt nicht mehr, überall hinzukommen,
sondern aus der gezwungenen Unbeweglichkeit das Beste zu machen. Rumsitzen mit
Spaß. Angedeutet hat sich das alles ja schon lange: in den Fußballstadien, im
Bundestag, vorm Fernseher.
Jörg Petruschat
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