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| | Editorial
Was eigentlich ist das: Gestaltung/Design? Beides ist nicht deckungsgleich, und in
dieser Differenz liegt die Frage. Die Zeit, zu der der Begriff ÈDesignÇ im Deutschen an die
Stelle der alten Wortspiele von Gestaltung, Kunst und Form trat, markiert die Einsicht in die
fortlaufende VerohnmŠchtigung der Disziplin. VerohnmŠchtigung durch eben jenen
Zusammenhang, ohne den garnichts lief: die profitable Industrie. Gestaltung, Form, Kunst -
so allgemein die Begriffe auch erscheinen - sie assoziieren Handgreifliches. Darum ging
es. Was stšrte, mu§te weg. An die Stelle handwerklicher Kompetenz trat der
ÈIndustrie-DesignerÇ. Seither wird nach dessen SelbstverstŠndnis gesucht: Mal euphorisch
in Form von Grabenkriegen: Funktionalismus vs. WarenŠsthetik, mal hellsichtig: ÈNicht an
die Gštter, an das Chaos sollt Ihr glaubenÇ, bis hin zur Meisterempfehlung fŸr Studenten, an
der Aufhebung ihres ja noch garnicht ausgeŸbten Berufes zu arbeiten. An die Stelle des
SelbstverstŠndnisses trat der Selbstverlust. Doch war es nicht die monstršs werdende
Schere zwischen Einflu§anspruch und Wirkungsmšglichkeit, es bedurfte der EnttŠuschung
vom digitalen Fortschritt, der Entzauberung von CAD und CIM, um zu merken: hier bricht
etwas um. Was Paranoia schien, erweist sich als Mutation.
ÈFreuet euch, ihr Patienten - Der Arzt ist euch ins Bett gelegt.Ç
Die Frage, wo das hinfŸhrt, ist offen. Da§ die Diskussion um Struktur und Funktion von
Design vom Selbstzweifel betŠubt ist, mu§ nicht in AnŠsthesie enden.
Wir mšchten form+zweck zur Diskussion Ÿber ein heutiges Verstehen von
Design/Gestaltung šffnen. Damit das Ganze einen Beginn hat, legen wir drei - uns wichtig
erscheinende Prozesse - zu Grunde: Gui Bonsiepe schreibt Ÿber die Digitalisierung der
Arbeitswerkzeuge des Designers, am Institut of Technologie in Illinois werden Studien
erarbeitet, deren Dimension au§erhalb der Šsthetischer Kompetenz liegt, und in einem
GesprŠch mit H G Helms versuchen wir deutlich zu machen, da§ Šsthetische Teilarbeit
weniger denn je eine eigne Autonomie und SouverŠnitŠt fŸr sich hat, sondern da§ die
AbhŠngigkeiten, in denen sie steckt, komplexer und hintergrŸndiger geworden sind. Diese
drei Fronten deuten Ursachen fŸr die Funktionskrise von Gestaltung an, Ÿber
Gestaltungsnšte und Orientierungen ist damit noch nichts gesagt. Auch nicht darŸber, ob
das Designer-Sein ausfasert, sich zum Bauchredner in wirtschaftlichen, markttechnischen,
škologischen, politischen oder moralischen Diskursen qualifiziert, oder um Eingrenzung
und strenge Fassung seines Eigensinns bemŸht sein sollte. Wir erhoffen uns Zuschriften,
Standpunkte, Polemiken zum Thema, weil È...ganz hinten im Hirn, da dads hoit doch noch a
bissal rumornÇ.
Jšrg Petruschat
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