form+zweck 6
Design.
Begriff und Berufsbild


editorial

Gui Bonsiepe
Die sieben Säulen des Design.
Design braucht keine Manifeste, sondern Fundamente


Charles Owen
Sonne, Mond und CO2.
Makrodesign gegen den Treibhauseffekt


Hans G Helms
Schöner unsere Städte und Gemeinden.
Entzieht sich urbane Entwicklung der Gestaltbarkeit? (Gespräch)


Gerhard Cordes
Von Rotwein und Brezeln zu Sekt und Kaviar - Wandlungen im Berufsbild der Designer.
Gespräch über die Schwierigkeiten als Abhängiger eine Identität zu finden


Klaus Körner
Politische Kleinschriften II.
Kalter Krieg und kleine Schriften


Michael Drewelow
»... das beste Bauwerk im Orte ...«.
Das Kulturhaus in der DDR. Zwischen monumentalem Gestus und massenkulturellem Gebrauch


Heinz Hirdina
Die Moderne gegenständlich.
Skizze zur Gegenständlichkeit


Friedrich Tomberg
Die Moderne zeitlich.
Moderne, Postmoderne und wie weiter - hat die Geschichte noch eine Zukunft?






Editorial

 

Was eigentlich ist das: Gestaltung/Design? Beides ist nicht deckungsgleich, und in dieser Differenz liegt die Frage. Die Zeit, zu der der Begriff ÈDesignÇ im Deutschen an die Stelle der alten Wortspiele von Gestaltung, Kunst und Form trat, markiert die Einsicht in die fortlaufende VerohnmŠchtigung der Disziplin. VerohnmŠchtigung durch eben jenen Zusammenhang, ohne den garnichts lief: die profitable Industrie. Gestaltung, Form, Kunst - so allgemein die Begriffe auch erscheinen - sie assoziieren Handgreifliches. Darum ging es. Was stšrte, mu§te weg. An die Stelle handwerklicher Kompetenz trat der ÈIndustrie-DesignerÇ. Seither wird nach dessen SelbstverstŠndnis gesucht: Mal euphorisch in Form von Grabenkriegen: Funktionalismus vs. WarenŠsthetik, mal hellsichtig: ÈNicht an die Gštter, an das Chaos sollt Ihr glaubenÇ, bis hin zur Meisterempfehlung fŸr Studenten, an der Aufhebung ihres ja noch garnicht ausgeŸbten Berufes zu arbeiten. An die Stelle des SelbstverstŠndnisses trat der Selbstverlust. Doch war es nicht die monstršs werdende Schere zwischen Einflu§anspruch und Wirkungsmšglichkeit, es bedurfte der EnttŠuschung vom digitalen Fortschritt, der Entzauberung von CAD und CIM, um zu merken: hier bricht etwas um. Was Paranoia schien, erweist sich als Mutation. ÈFreuet euch, ihr Patienten - Der Arzt ist euch ins Bett gelegt.Ç Die Frage, wo das hinfŸhrt, ist offen. Da§ die Diskussion um Struktur und Funktion von Design vom Selbstzweifel betŠubt ist, mu§ nicht in AnŠsthesie enden. Wir mšchten form+zweck zur Diskussion Ÿber ein heutiges Verstehen von Design/Gestaltung šffnen. Damit das Ganze einen Beginn hat, legen wir drei - uns wichtig erscheinende Prozesse - zu Grunde: Gui Bonsiepe schreibt Ÿber die Digitalisierung der Arbeitswerkzeuge des Designers, am Institut of Technologie in Illinois werden Studien erarbeitet, deren Dimension au§erhalb der Šsthetischer Kompetenz liegt, und in einem GesprŠch mit H G Helms versuchen wir deutlich zu machen, da§ Šsthetische Teilarbeit weniger denn je eine eigne Autonomie und SouverŠnitŠt fŸr sich hat, sondern da§ die AbhŠngigkeiten, in denen sie steckt, komplexer und hintergrŸndiger geworden sind. Diese drei Fronten deuten Ursachen fŸr die Funktionskrise von Gestaltung an, Ÿber Gestaltungsnšte und Orientierungen ist damit noch nichts gesagt. Auch nicht darŸber, ob das Designer-Sein ausfasert, sich zum Bauchredner in wirtschaftlichen, markttechnischen, škologischen, politischen oder moralischen Diskursen qualifiziert, oder um Eingrenzung und strenge Fassung seines Eigensinns bemŸht sein sollte. Wir erhoffen uns Zuschriften, Standpunkte, Polemiken zum Thema, weil È...ganz hinten im Hirn, da dads hoit doch noch a bissal rumornÇ.

Jšrg Petruschat