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| | Editorial
Wir geben zu, wir haben uns geirrt. Wir dachten, das Design sei in der Krise. Wir
stießen nämlich allenthalben auf Leute, die Probleme hatten mit dem, was man
als Designer so täglich muß tun. Heute wissen wir, wir haben uns geirrt. Nicht
das Design ist in der Krise, sondern nur ein bestimmter Designbegriff, der unsrige, etwas
arrogante, auf Gestaltung zielende zum Beispiel. Vergeblich suchten wir marode und
verfallende Designateliers, abgehärmte und verzweifelte Designer, die an ihren
Produkten wahn werden. Es war falsch, vom bloßen Unwohlsein einiger auf so etwas
wie Renitenz zu schließen. Denn die Übelkeit war nichts weiter als ein
Begleitumstand von Schaffenskrisen - man hatte zuviel Unausgereiftes im Bauch.
Glücklicherweise haben ältere Herren mit ihrem Richtspruch wieder für
Orientierung gesorgt: wenn schon schwanger und übel dran, dann soll auch nicht
abgetrieben werden. Es wär\\\' doch schade, sollte auch nur eine Idee eines deutschen
Designers in der Latrine landen.
Leider denkt man in unserem Kulturkreis den Begriff der Krise nicht als etwas Positives,
sondern negativ. Und damit dieses Negativdenken nicht doch noch zu einem schlechten
Gewissen sich auswächst, spricht man darüber. Zum Beispiel über die
Umweltkrise. Über die Wirtschaftskrise. Über die Regierungskrise. Und siehe
da, alles gibt es noch: die Umwelt, Wirtschaft, und selbst die Regierung ist noch da - alles
fast unverändert. Das ist der Worte Macht. Man muß nur häufig genug
darüber reden. So bleibt der Kopf frei. Nichts zu denken ist nämlich eine gute
Voraussetzung kreativ zu sein.
Nicht trotzig, nicht bissig, nicht moralisch, eher mit jener heiteren Gelassenheit, die
einen überkommt, wenn man beim Apfelessen den Wurm schon zerbissen hat,
präsentieren wir im Folgenden einige Denkübungen und einige Schauseiten
des Gespenstes Design, wie es noch immer umgeht in Europa und anderswo.
Jörg Petruschat
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